Freitag, 25. Dezember 2009

weiteres

Ich verstehe, wenn viele denken werden: das kann ja so nicht gewesen sein, er muss gewalttätig gewesen sein, keine vernünftiger Mensch würde ohne Grund so reagieren. Das dachte ich auch bis gestern und es tut mir im nachhinein leid, Berichte über Polizeigewalt oft selbst so interpretiert zu haben. Irgendwie glaubte ich an das "Gute" im Menschen, das jemand nicht ohne Grund so extrem aggressiv wird. 
Ich kann auch irgendwie nachvollziehen, das es großen Gruppendruck gibt. Das sich viele Polizisten oft als Gruppe sehen, die homogen auf zu treten hat. Das verhindert dann auch ein couragiertes Eingreifen Einzelner.
 
Ich kann nachvollziehen, das Polizisten, z.B. in der Situation einer aggressiven Demonstration, wo es Bedrohungen und vielleicht Stein/ oder Flaschenwürfe gibt, zu übertriebener Gewalt neigen, auch aus Angst. Es bedarf schon eines kurzen Gedankens, sich einmal eine Gruppe von vielleicht 20 Polizisten vorzustellen, die hinter Helmen mit Schutzschirmen stecken, und unter großem Druck stehen. Wenn diese sich dann übertrieben gegen z.B. Demonstranten richtet, trägt die in der Luft liegende Spannung nicht wenig dazu bei. 
 
Jedoch war die Stimmung vor dem Audimax von NICHTS dergleichen geprägt. Die Besetzer leisteten drinnen keinen Wiederstand. Eine Eskalation, wie ich sie zu diesem Zeitpunkt nicht ausschliessen konnte, weil ich nichts wusste und nichts sah, fand nicht statt. 
 
Ich selbst leistete keinen Wiederstand. Selbst nicht nachdem ich grundlos zu Boden geschlagen und mit dem Gesicht auf den Boden gepresst wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fragte ich mich, wo ein Vorgesetzter war, der sich kurz die Zeit nimmt, mit mir zu sprechen, um die Situation, die er vielleicht gar nicht selbst gesehen hatte, zu klären. Nichts dergleichen geschah. Ich stand an der Wand, und liess alles FRIEDLICH über mich ergehen. Trotzdem wurde ich behandelt wie jemand, der tobend und um sich schlagend würde.
Übertriebene, Unangemessene Gewalt scheint mir unter diesem Hintergrund noch schlimmer. Weil es keine Bedrohung gab, nicht einen Hauch davon. Von Nirgendwo. Weil keine Agression in der Luft lag. Kein Stress, kein Druck. Ausser vielleicht einem genervt sein, sich so früh die Beine in den Bauch stehen zu müssen. All diese Phänomene muss Frau Löschper als Sozialpsychologin & Kriminologin kennen. Spätestens nachdem sie mich dort an die Glasscheibe gedrückt sah, hätte sie sich doch bequemen können, einmal nachzusehen, was geschehen war!?! Ich habe vor der Tür des mineralogischen Museums mit ihr verhandelt, habe versucht zu deeskalieren. Als sie in einer Plenumsdiskussion anmerkte, sie habe mehrmals vergeblich versucht im Audimax Kontakt herzustellen, habe ich in sofern versucht zu vermitteln, als das ich der Meinung war, der gescheiterte Kommunikationsversuch sei keine üble Absicht des Präsidiums gewesen, sondern ein, auf unserem und ihrem Stress beruhendes Missverständnis. Ich frage mich als schon, wie sie zu dem Gedanken gekommen sein muss, die Schläge, etc. seien legitim. Ich kann nicht sagen, ob Frau Löschper sah, wie ich zu Boden geschlagen wurde. Ich sah sie 2 Mal. Zum ersten Mal, als ich noch Kontakt mit ihr aufnehmen wollte. Da sah sie mich vor dem Fenster stehen. Dann ging alles sehr schnell, innerhalb sehr kurzer zeit kamen die Schläge und 10 Minuten später sah ich sie wieder an gleicher Stelle, den Blick wieder auf mich und meine blutende Nase gerichtet. Und allen, die nun wieder "Arschkriecher" schreien werden: Löschper selbst hat offentlich gemacht, das sie sich zumindest in so fern vom Lenzen Wahlverfahren distanzierte, dass sie mehrmals nachfragte, ob der AS wirklich in dieser Form das Prozedere durchführen wolle. Schon alleine deswegen sollte man sich trotz großer inhaltlicher Differenzen um einen gewissen, persönlichen Respekt bemühen...


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